Jahresbericht 2001 - 2002


Die Hauptaufgabe des Centre de Formation ist die Erziehung und Bildung von jungen Menschen. In der heutigen Zeit haben es immer mehr Ju­gendliche sehr schwer, kraftvoll, und erfüllt mit echten Idealen, in die Zu­kunft zu blicken. So suchen immer mehr junge Menschen Orte, wo ihnen nicht nur der Blick für die wahren Werte des Lebens geöffnet werden, sondern wo sie auch die vielfältigste Hilfe erfahren können, um praktische Fähigkeiten zu erlernen, Lebenstüchtigkeit zu erwerben und um mit gu­tem intellektuellem Wissen und Können ausgerüstet zu werden.

    Insofern versteht sich das Centre de Formation nicht als Ort, wo schwer­wiegende psychische, heilpädagogische oder andere massive Probleme (wie Drogenkonsum) aufgearbeitet werden können. Dazu sind wir nicht in der Lage und wir verfügen leider auch nicht über die entsprechenden Therapiemöglichkeiten. Dazu gibt es andere, besser ausgerüstete Ein­richtungen. Dementsprechend ist die Auswahl der Schüler grundsätzlich strengen Kriterien unterworfen und dennoch haben wir uns in der Vergan­genheit immer wieder täuschen lassen oder haben uns in unseren Mög­lichkeiten überschätzt. Aus Fehler aber kann man lernen und so wurden für das nun bereits angelaufene Schuljahr von über 100 Anfragen nur 7 Schüler/Innen aufgenommen und auch bei den Praktikanten/Innen wurde ein strengerer Massstab als bisher angelegt.

    (Im Aufsatz über die pädagogischen Ziele des Centre wird nochmals ge­nau beschrieben, für welche Jugendliche unser Projekt eingerichtet wur­de.).

    Einen gesunden und "effizienten" Betrieb kann nur mit gesunden, psy­chisch stabilen und "bodenständigen" Mitarbeiter/Innen oder Praktikan­ten/Innen gewährleistet werden. Zu oft entstanden in der Vergangenheit Probleme dadurch, dass grosse Probleme von Menschen (sowohl von Schüler/Innen wie auch von Mitarbeiter/Innen) ins Centre mitgebracht wurden.

    So war es auch zu Beginn des sechsten Betriebsjahres. Grosse innere und äussere Schwierigkeiten kennzeichneten den Start. Bald aber klärte sich, durch den Weggang von Menschen, die zu sehr mit eigenen Proble­men beladen waren die Situation, und es konnte endlich effizient gearbei­tet werden. Bis zum Schluss aber blieb ein stetes Ringen um gute Schul­bildung und echten Lebenszielen, sowie einer guten Charakterbildung, da die Schülerschar sehr lebendig und einzelne unter ihnen auch sehr, sehr schwierig waren.

    So mühsam das Jahr auch begonnen hatte, um so schöner war der Er­folg, der am Ende zu verzeichnen war. Ein enormes effizientes Lernen wurde möglich, die Hilfsbereitschaft der Schüler wuchs zusehends und die sozialen Fähigkeiten erreichten ein Mass, wie wir dies nie zuvor erle­ben durften. Ja, durch Bewältigung von Schwierigkeiten kann man eben auch stark werden. So sind wir denn auch überzeugt, dass alle Schüler, die das ganze Jahr im Centre verbracht haben, ihren Weg finden werden, obwohl einzelne unter ihnen vielleicht einen nochmaligen "Tiefgang" durchmachen werden.


Schulische "Aufholjagd" nach viel verlorener Zeit zu Beginn

    Wie üblich haben einzelne Schüler ihr Schuljahr im Centre beschrieben. Die verschiedenen Berichte können einen Eindruck vermitteln, wie das vergangene Schuljahr im Centre erlebt wurde.

    Wie jedes Jahr, durften auch im vergangenen Schuljahr die Schüler viele interessante Reisen und Exkursionen geniessen. Einzelne davon werden ebenfalls in separaten Aufsätzen beschrieben.

    So fuhren bereits im Herbst die Schüler für 14 Tage nach Andalusien mit dem Ziel, sich sozial zu finden, da die vielen täglich stattfindenden "Klein­kriege" unter den Schülern ein effizientes Arbeiten bzw. Zusammenarbei­ten verunmöglichten. Wie verwandelt kamen sie zurück und das Leben im Centre harmonisierte sich zusehends.

    Ein weitere Höhepunkt war die Reise nach Barcelona, wo wir gemeinsam einen Stadtrundgang machten und besonders die Architektur von Gaudi an seiner Kathedrale "La Sacrada Familia" bewunderten. Am Nachmittag hatten die Schüler freien Ausgang. Am Abend trafen wir uns wieder zu einem Imbiss und anschliessend zum Messias von Händel in der Basilika Santa Maria del Mar. Wir staunten nicht schlecht, wie alle Schüler diesem Chorwerk aufmerksam zuhörten, da viele von ihnen doch eher geprägt waren von anderer Musik.

    Ein ganztägiger Reitausflug, quer durch die "Pampa", war hingegen nicht jedermanns/frau Geschmack. Einzelne weigerten sich nachher, mit wund­geriebenem Hintern, jeweils wieder auf ein Pferd zu steigen. Andere hin­gegen drängten auf weitere solche, und vor allem längere Reitausflüge.


Unser "zu Hause" in Andalusien

    Bald nach den Weihnachtsferien fuhren wir mit allen Schülern wiederum nach Andalusien, an die portugiesische Grenze, zur Avocadoernte auf einer biologisch geführten Plantage. Wir waren untergebracht in einer kleinen und engen "Finca", wo wir erneut hautnah die sozialen Probleme unter den Schülern, die doch noch latent vorhanden waren, erleben konn­ten.

    Wir mussten auch feststellen, wie wenige unter ihnen in der Lage waren, effizient zu arbeiten oder überhaupt einen Tag mit Arbeit durchzustehen. Trotz allem war es aber eine gute "Uebung" und für die meisten eine ideale Art der Selbsterkenntnis.


Unterwegs mit wenig Komfort

    Selbstverständlich benutzten wir den Aufenthalt am Atlantik auch dazu, durch verschiedenste Ausflüge ein weiteres Stück von Europa kennen zu lernen und sich mit den verschiedensten Sitten und Gebräuchen ausei­nander zu setzen. Andalusien = Land des Flamenco.


"Westerndorf" in Andalusien

    Nach der Rückkehr ins Centre, nahm das Schuljahr seinen weiteren ver­lauf. Wie glücklich waren die Schüler, endlich wieder ihr Zimmer zu haben und in der Schule fleissig lernen zu dürfen. Der Unterbruch hat doch gut getan. Eine enorme Leistungssteigerung war zu beobachten. Das war sehr gut so, denn schon bald stand eine viel grössere Reise auf dem Pro­gramm. Obwohl wir lange daran gezweifelt hatten, ob diese Schülergrup­pe eine Reise nach Afrika durchstehen würde, wollten wir es wagen. So fanden neben der intensiven schulischen Arbeit auch die entsprechenden Reisevorbereitungen statt: Zelte überprüfen, Kocher herrichten, Fahrzeu­ge kontrollieren lassen, Ersatzteile besorgen, Reiseapotheke ausrüsten und vieles andere mehr. Die Schüler machten sehr gut mit und bald ging es los.


Wie mühsam ist doch das Arbeiten!

    Der Leiter des Centre, Gregor Scherer, ging in diesem Jahr nicht mit auf die Reise, da sehr viel Arbeit auch im Centre zu erledigen war, denn in Kürze sollte ein weiteres Grossereignis im Centre stattfinden: Die Hoch­zeit seiner Tochter Felicia Scherer mit Michael Greh. Sehr viele Gäste waren zu erwarten und mussten im Gästehaus untergebracht werden. Dieses war jedoch noch nicht ganz fertig renoviert und auch die Möbel fehlten weitgehend.

    Mit grossen Sorgen, ob wohl alles gut gehen würde, vertraute Herr Sche­rer den grossen Fähigkeiten seines Mitarbeiters Herr Henner KURTH und liess "die Truppe" ziehen. Die Reise nach Afrika fand statt.


"Wir erlebten eine ganz andere Welt"

    Während der Abwesenheit der Schüler, wurde das ganze Gästehaus mit Möbeln versehen, der Speisesaal mit neuen Tischen, Stühlen und dem nötigen Gedeck eingerichtet, und auch das Zelt für die Hochzeitszeremo­nie wurde aufgestellt.

    Mit tiefgehenden Erlebnissen kamen die Schüler zurück und erneut konn­te auch in der Schule viel geleistet werden. Sie waren alle so glücklich über ihr Zimmer, die Duschen, die Toiletten und über den geregelten Ta­gesablauf.

    So war es nicht erstaunlich, dass sie auch hochmotiviert teilnahmen an der Vorbereitung für das grosse Hochzeitsfest. Die Liegenschaft musste sauber herausgeputzt werden, alle Gästezimmer waren vorzubereiten, das Zelt sollte zu einer würdigen "Kirche" umgestaltet werden, der Speise­saal war festlich zu decken und nicht zuletzt gab es auch in der Küche sehr viel zu tun, denn es sollte ein richtiges Festbankett werden. Das Fest rückte näher und viele liebe Freunde kamen bereits eine Woche früher, um bei den Vorbereitungen zu helfen.

    Möchten Sie zwei bis drei Wochen kostenlose Ferien im Centre ver­bringen? Wir suchen immer wieder tüchtige und praktisch begabte Menschen, die die Liegenschaft hüten, wenn wir mit den Schülern auf Reise sind!

    An dieser Stelle möchten wir allen Helfern unseren tiefsten Dank ausspre­chen. Darin sind natürlich unsere lieben Schüler mit eingeschlossen.


4 fleissige Frauen (links die Präsidentin des Fördervereins)



Marlis und Erich Affolter (Aktuar des Fördervereins)

    Ein besonders gütiges Schicksal schenkte uns eine sehr wertvolle und liebe Hausmutter. Seit Ostern 2002 befindet sich bei uns Frau Johnna Halvor Jensen aus Dänemark, die sich um die tausend Kleinigkeiten kümmert, welche die Liegenschaft schöner machen. Daneben besorgt sie unsere Hotelzimmer und hilft mit in der Wäscherei. Wir möchten auch ihr von ganzem Herzen für ihren selbstlosen Einsatz danken.


Unsere Hausmutter Johnna

    Nun, das Hochzeitsfest, welches in einem Schüleraufsatz näher beschrie­ben ist, war vorüber und eine Woche lang lebten wir von den vielen lecke­ren Resten. Der schulische Endspurt begann. Eine letzte Leistungsstei­gerung war festzustellen und wenn alle mitgezogen hätten, könnte man wohl von einem der erfolgreichsten Jahre sprechen.

    Nochmals war ein grösserer Ausflug geplant. Allerdings gingen nur die körperlich tüchtigsten Schüler mit: Die Bergtour auf den Canigou, der höchste Pyrenäengipfel in unserer Nähe.


Unsere Gipfelstürmer

    Der Sommer begann, es wurde immer heisser und heisser und bald kamen auch die ersten Gruppen auf unseren Campingplatz. Eine Gruppe freute uns ganz besonders, das Sommercamp der Christengemeinschaft aus Hamburg und Wuppertal. Die 70 Teilnehmer halfen diesen Sommer zum dritten Mal mit, die Umgebung der Liegenschaft zu gestalten. Diesen vielen tüchtigen jungen Menschen möchten wir ebenfalls ganz herzlich danken.


Hier gibt’s Leckeres



Chorlieder zum Abschied

    So ging das Schul- und Vereinsjahr mit vielen Eindrücken und Erlebnis­sen zu Ende. Doch die vielen Höhepunkte dürfen nicht darüber hinweg­täuschen, dass es auch Sorgen, ja zum Teil sehr grosse Sorgen gab, die bewältigt werden mussten. Da über dem ganzen Projekt aber ein so guter Stern steht, konnte in vielen einsamen und langen Nächten immer wie­der Kraft gefunden und Mut geschöpft werden, um den Schwierigkeiten in geeigneter Weise zu begegnen.

Wer eine besondere Aufgabe übernimmt, wird auch besonders um­kämpft.
Anton Kimpfler


    Zum Schluss, und das ist nicht wertend gemeint, sollen auch die vielen Praktikanten/Innen, Mitarbeiter und Gastlehrer erwähnt werden. Leider haben wir nicht von allen ein Bild.

    Bald zu Beginn des Schuljahres kamen die Schüler zu einer interessan­ten und lehrreichen Chemie Epoche von Claudia Weiss aus Deutschland. Als erfahrene Lehrerin war sie in der Lage, den Unterricht lebendig und effizient zu gestalten. Ihr sei ganz herzlich gedankt. Die Schüler hatten sehr viel gelernt.

    Im frühen Herbst kam Karl Isler aus der Schweiz zu uns. Mit seinen rei­chen Erfahrungen als Lehrer in einem kleinen Schweizer Dorf, brachte er als Spezialist für Solarenergie den Schülern die vielen Möglichkeiten der Nutzung der Sonnenkraft nahe. Durch seinen Einsatz wurden die Schüler auch sensibilisiert für die gesamten Energiefragen, auch wenn es Schüler gab, die es bis zum Schluss nicht schafften, die Lichter beim Verlassen eines Raumes zu löschen! Mit Sonnenenergie wurde Brot gebacken, Würste gebraten und vieles andere mehr. Die wenigsten Schüler jedoch, nahmen ihren selbst gebauten "Würstlibräter" mit nach Hause. Warum wohl?

(siehe auch: www.ikd.ch)


Brot aus dem Sonnenofen

    Gegen Schluss des Schuljahres durften die Schüler in den Genuss eines weiteren Gastlehrers kommen. Herr Wilhelm Kux aus Chemnitz gab den Schülern eine dreiwöchige Geschichtsepoche. Anknüpfend an die Ver­gangenheit versuchte er den jungen Menschen ein Bild der neueren Ge­schichte zu vermitteln.

Weitere Gastlehrer gesucht! Möchten Sie während Ihren Oster- oder Herbstferien drei Wochen im Centre verbringen, um den Schülern eine interessante Epoche zu geben? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!
Anton Kimpfler


    Als bedeutendster Mitarbeiter ist Herr Henner KURTH zu erwähnen. Als Lehrer für Kunstgeschichte, Zeitbetrachtungen und für Plastizieren und Malen, gab er unseren Schülern viele wesentliche Impulse mit ins Leben. Daneben hat er als Handwerker, Koch oder kurz gesagt als "Allrounder" das Leben im Centre wesentlich mitgestaltet und auch verschönert. Ihm gebührt ein ganz besonderer Dank.


Henner KURTH unser "Allrounder"

    Unsere ständigen Mitarbeitern haben wir in früheren Ausgaben bereits vorgestellt: Pascale Bes (Sekretärin), Salvador Altur (Maurer). Neu hinzu gekommen ist Rafael Hubert (Allrounder/Koch). Verlassen hat uns Marcel Ruiz (Maurer).


Rafael Hubert mit lecker zubereitetem Mahl

    Als Praktikanten oder anderweitige Mitarbeiter waren im vergangenen Schul- und Vereinsjahr im Centre tätig:

    Nadia Rückert, Christine Förg, Georg Hessen, Philip Urban, Michael Greh, Marion Hornemann, Helena Kux, Eva Lobpreis.
Die Reihenfolge der Aufzählung ist zufällig und bedeutet keine Wertigkeit. Zudem hoffen wir sehr, dass niemand vergessen wurde.

    Weiter ist zu erwähnen, dass auch immer wieder Mütter von Schülern oder Feriengäste hier einige Tage "Ferien" verbrachten und uns tüchtig halfen. Auch ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

    Leider haben wir nicht von allen ein Bild. Wir werden uns bemühen, den nächsten Jahresbericht vollständiger zu gestalten. Hier eine Auswahl:

   


Helena Kux


Michael Greh


Philip Urban


Georg Hessen


Eva Lobpreis



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